Datensatz, 2020
Graphite on paper, 42,0 x 59,4 cm, series (here: I–IV)
Während der Renovierung einer Wand, bei der die Armierungsmatte unter dem Putz sichtbar wird, legt Schirin Kretschmann Papiere unterschiedlicher Größe zwischen Schleifwerkzeug und Wandoberfläche. Der Vorgang des Abtragens von Material kehrt sich dabei in sein Gegenteil: Druck, Reibung und Bewegung schreiben sich als Abrieb, Risse und Verletzungen in die Oberfläche des Papiers ein. Die so entstehenden Strukturen sind direkte Spuren eines körperlichen Arbeitsprozesses. Zugleich eröffnen sie Bildräume, die Assoziationen etwa an technische Raster, mikroskopische Strukturen oder geologische Oberflächen hervorrufen können. Das Papier fungiert dabei als eine Art bildnerischer Filter: Es hält sichtbar fest, was sonst in den Schichten der Wand verborgen bliebe.
During the renovation of a wall, when the reinforcement mesh beneath the plaster becomes visible, Schirin Kretschmann places sheets of paper of various sizes between the abrasive tools and the wall surface. In this way, the act of removing material is reversed: pressure, friction, and movement inscribe themselves into the paper as abrasions, tears, and ruptures. The resulting structures are direct traces of a physical working process. At the same time, they open up pictorial spaces that may evoke associations with technical grids, microscopic structures, or geological surfaces. In this sense, the paper functions as a kind of visual filter, capturing what would otherwise remain hidden within the layers of the wall.
Photos: Björn Siebert
© VG Bild-Kunst Bonn